Preis der Literaturhäuser
Der Preis der Literaturhäuser
Die in literaturhaus.net zusammen geschlossenen Literaturhäuser vergeben einmal jährlich einen Literaturpreis. Der Preis geht an deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die sich für neuartige Konzepte der Vermittlung von Literatur stark machen. Dabei sind die Möglichkeiten praktisch unbegrenzt. Sie reichen von der szenischen, musikalischen oder bildnerischen Darbietung von Literatur bis zur theoretischen Erläuterung literarischer Konzepte.
Neue Wege der Präsentation sollen die lange Tradition des literarischen Vortrags weiterentwickeln. Die Auszeichnung besteht deshalb aus einer Lesereise des Preisträgers, die durch alle elf in literaturhaus.net zusammengeschlossenen Literaturhäuser führt. Die Lesungen werden als besondere Veranstaltungen inseriert und überdurchschnittlich vergütet.
Die bisherigen PreisträgerInnen
Ulrike Draesner (2002)
Bodo Hell (2003)
Peter Kurzeck (2004)
Michael Lentz (2005)
Uwe Kolbe (2006)
Sibylle Lewitscharoff (2007)
Anselm Glück (2008)
Der Gewinner 2009
Die Bücher der Gewinner
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[ Buchtipp von Preis der Literaturhäuser ] „Autopol“ ist das zukunftsträchtige System der Entsorgung von Müll aller Art: menschlichem und ökologischem. Wie auf einer Umlaufbahn kreisen Grosstransporter mit trägen 20 km/h auf dem Autopol-Autobahnring etwa zwischen Bremen, Basel und Lublin. Hermetisch von der Aussenwelt abgeschottet vegetieren darin Verbrecher, denen keine Chancen auf Wiedereingliederung eingeräumt werden: Sadisten, Psychopathen und Politische. Obgleich ausbruchsicher, kommt es wider Erwarten zu einem Gefangenenaufstand. Angeführt vom „Politischen“ Sten Rasin übernehmen ein paar ungeschlachte Kerle das Kommando über eine der Ruhestationen zwischen den Fahrtabschnitten. Geiselnahme, Verhandlungspoker, Flucht und Polizeiaktion...
Trojanow erzählt dieses dramatische Geschehen als Collage aus unterschiedlicher Optik. Rasins Gedanken, Gesprächsfetzen, die Notizen eines Scoop-Journalisten, Pressebeiträge und konzerninterne Diskussionen ergeben ein buntes Bild dieser bizarren Zukunftsvision.
Trojanow verzichtet auf stilistische Feinheiten und erzählt dafür schnell, zupackend und amüsant. Das flexible Internet –dem sich die Entstehung dieses Buches verdankt –,spiegelt sich in den kurzen prägnanten Texten, die mit Bildern angereichert sind.
Nur einmal greift Trojanow zu einer kleinen Spitzfindigkeit. Die Drohung, dass betäubt werde, wer den Anweisungen bis zum festgesetzten Zeitpunkt „nicht Folge geleistet haben sollte“, ermuntert den Helden Rasin zu einer kurzen Reflexion über das grammatikalische Futur II: „Diese Zeitform, die hat mich immer fasziniert, dieses aus der Zukunft nach hinten schauen“, wie es der Ordnungsdienst gerne tue. Genau darin liegt auch die Fazination einer solchenVision unserer Zukunft, die bereits begonnen hat.
(Beat Mazenauer)
[ Info ] Trojanow, Ilija: Autopol. In Zusammenarbeit mit Rudolf Spindler. (original language: Deutsch) dtv, München, 1997 .

